Johann Dietrich (Diederich) von Steinen (* 7. März 1699 in Frömern, heute Ortsteil von Fröndenberg/Ruhr; † 31. August 1759 ebenda) war ein westfälischer Historiker und evangelischer Pfarrer zu Frömern.
Zitat aus Westphälische Geschichte Teil IV, XXXtes Stück „Historie der Herzogthümer Engern und Westphalen„. 3. Kapitel des 2. Buchs „Kurze Beschreibung der Städte in den Herzogthümern Engern und Westphalen gelegen“ . 1)

Von Steinen nennt in seinem Buch wiederholt die Annales Circvli Westphalici aus dem Jahr 1656 von Hermann Fley genannt Stangefol bzw. Stangenfeld, den er korrekt zitiert. Stangefols Annales sind überwiegend in Latein geschrieben, mit deutschen Abschnitten. Die Balve betreffenden Auszüge aus dem Werk von Stangefol siehe unten im Original.

Das III. Capitel.
Von der Stadt Balve.

§ 1.
Balve, eine kleine und geringe Stadt an der Hönne gelegen, hat dem ganzen Amt den Namen gegeben. Die Gegend umher ist zwar bergicht, doch finden sich auch um die Stadt gute Aecker und Wiesen.

§ 2.
Von dem Ursprung dieses Orts schreibt Stangenfeld also: Bey Zeiten Graf Everhard von der Mark, als derselbe 1209 Indict. 3. (ist ein Druckfehler und mus 1290 heissen) mit dem Stift Cöln, seinen Benachbarten, viel Wirrung und Zweyspalt pflegte, auch demselben Stift mit Feuer und Brand merklichen Schaden zufügte, ist Balve, das Städtlein, angefangen zu bauen und zu befestigen, und beide Höfe, der Oberhof und Niederhof in dessen Rinkmauren eingezogen.

Auszug: Stangefol, Annales Circvli Westphalici (1656). 2)

§ 3.
Vorzeiten hat der Ort mit zur Hanse gehöret, itzo nehren sich die Einwohner von ihren geringen Ackerbau, Viehzucht und Handarbeit.

§ 4.
Von geistlichen Gebäuden sind zu merken:
1. Die große und schöne Pfarrkirche vor dem Tor gelegen. Von der Stiftung derselben gibt Stangenfeld aus des Detmar Mülhers geschriebenen Chronic, diese Nachricht:
Die Kirche zu Balve soll von denen von Nassau gestiftet sein. Davon ferner wird referirt, als dieselbe erbauet sol wern auf den Hilgenhof, daselbst auch die Materialia bereits hingeführt waren, so ist durch ein sunderlich Miracul Holz und Stein wieder auf dem Platz gewesen, da sie itzo steht. Bei dieser Kirche ist der St. Blasius in großem Ruf, und werden jährlich dahin stark Wallfahrten angestellet, durch Hülfe dieses Heiligen Menschen und Vieh fruchtbar zu machen.

2. St. Antonius-Kapelle liegt in der Stadt. An dem Ort, wo dieselbe steht, soll vorhin ein Becker gewohnt haben, welcher auf einen Sontag gebacken und dabei vermessentlich gesagt: Er wol all stahn backen, ob es schon allen Teuffelen leid were. Ist dahero sein Hauß mit dem vornehmsten Theil der Stadt abgebrant, zu welcher Gedächtnis und zu Versöhnung ferner göttlicher Indignation ist auff gemel. Beckers Wohnstatt diese Kapelle hingesetzt und fundiert worden. Wie eben dieses besagter Stangenfeld aus dem Detmar Mülherr berichtet.

3. Nicht weit von der Stadt an dem Wege, welcher nach Menden führet, lieget auch eine Kapelle [vermutlich die uralte Klause, heute Nitsche].

4. In der Stadt soll auch nach H. Crombachs Bericht die St. Michels Kapelle liegen.

§ 5.
Ausser verschiedenen andern Freyheiten hat diese Stadt vier Jahrmärkte, davon einfallen:
Das erste, den Tag nach Lichtmes.
Das zweyte, den Montag nach dem Fest Johannes des Täufers. Da auch zugleich Procession gehalten wird.
Das dritte, auf Michaelis.
Das vierte, welches ein Viehmarkt ist, auf Andreas.

§ 6.
Von widrigen Schicksahlen, so diesen Ort betroffen, sind mir folgende kund worden:
1584 d. 27 November ist die Stadt ganz abgebrant.
1599 d. 25 May wurde fast die halbe Stadt vom Feuer verzehret.
1607 d. 9. Febr. als dieser Ort von den Holländischen Partheyen war gebrandschatzet worden, ist durch dieser Streiffer Bosheit ein Feuer auskommen, wodurch abermahl fast die halbe Stadt in die Asche gelegt wurde.

§ 7.
Sonst ist noch bei Balve zu merken:
Nicht weit von der Stadt in einem Felsen findet sich eine Höle, deren Ende noch keiner gefunden hat.
Im Jahr 1601 d. 5 May wurde hieselbst ein Münzer, welcher falsche Muscheln gemünzet hatte, zu Tode geschmauchet.

Das weiße Bier, so hieselbst gebraut wird, heisst Lüll.

Ob der 38. Abt des Klosters Riddagshausen, Lambert a Balven, der Licentiatus Theologiæ gewesen, und von Meibaum als ein gelerter, beredter und frommer Mann gerühmet wird, und nach ausgestandenen vielen Kriegsplagen im Jahre 1553 d. 6. November sein Leben beschlossen hat, von hier bürtig, oder einer von dem Geschlechte der von Balve gewesen sey, kan ich nicht sagen, weil ihn Meibaum nur überhaupt einen Westphälinger nennet.

  1. Quelle: heimatbund-finnentrop.de „Steinens Texte“, Seite 1107 des Originals. Übertragung/Digitalisierung: Frederik Siebert, Schönholthausen. ↩︎
  2. Stangefol bezieht sich hier wiederum auf den Dortmunder Chronisten Detmar Mulhers bzw. Mullerus (siehe auch hier). ↩︎